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Das Leipziger Buchmesse-Dilemma

Der Coronavirus ist derzeit ja überall in den Medien präsent. Die Leute lassen sich verrückt machen und kaufen Lebensmittel und Klopapier für ein halbes Jahrhundert ein. Spätestens seit dieser Woche ist der Virus auch in der Cosplay-Community angekommen, denn die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt. Die einen sind traurig und enttäuscht, andere wütend darüber. Plötzlich gibt es „Ausweichveranstaltungen“ und Cosplayertreffen. Welche Reaktion ist richtig? Zuhause bleiben und am Cosplay basteln oder aus Protest zu einer anderen Veranstaltung?

Ich will euch in dem Beitrag beide Seiten näher bringen, denn die Antwort liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.

Sollten euch die Allgemeinen Ausführungen nicht interessieren, dann scrollt doch einfach direkt zum Dilemma herunter.

Was war geschehen?

Auch Tagesschau und Radio sprechen über die Absage der Buchmesse. Diese ist mit bis zu 290.000 Besuchern im Jahr nicht nur eine Großveranstaltung für den Raum Leipzig, sondern auch eine der größeren Messen in Deutschland.

Wie kam es dazu?

Am Dienstag trafen sich die Messeleitung, Oberbürgermeister und Vertreter des Leipziger Gesundheitsamts zu einem Krisengespräch wegen des neuartigen Coronavirus. Ergebnis: Die Messe wird abgesagt, denn „Sicherheit geht vor“.
Wirklich überraschend war das ganze jedoch nicht. Auch andere Messen wie die Tourismusbörse ITB Berlin und die Internationale Handwerksmesse in München waren schon abgesagt oder verschoben worden.

Warum erst die Zusage und dann die Absage?

Buchmessedirektor Oliver Zille © Martin Jehnichen

In einem Interview mit Messedirektor Oliver Zille teilte dieser mit, dass sie ein klares Statement setzen wollten, welches kein Raum für Interpretationen zulässt und daher glasklar kommuniziert haben „die Messe finde statt“.

Die Dynamik hätte sich jedoch von Samstag auf Montag geändert und deshalb wurde am Dienstag eine „Last-Minute-Entscheidung“ getroffen, denn am Mittwoch hätte der planmäßige Aufbau begonnen. Auch sagt er „Ein Fest, vor dem sich jeder fürchtet, ist kein Fest

Das ganze Interview findet ihr HIER.

Was ist mit Tickets und den Ausstellern?

Als Besucher kann man sich noch glücklich schätzen. Man bekommt für seine Tickets den vollen Preis erstattet. Dafür müsst ihr auch gar nichts machen. In einer Infomail der „Ticketing Leipziger Messe“ stehen alle wichtigen Infos. Der Kaufpreis für Tickets werden automatisch wieder zurückgebucht. Ein wirklich toller Service, der aber natürlich auf Grund des Umfangs einige Zeit in Anspruch nehmen wird.
Die Aussteller haben es da nicht so einfach. Bisher ist noch nicht geklärt ob diese ihre Standgebühr zurückbekommen. Außerdem bleiben Sie z.B. auf ihren gebauten Messeständen oder angefertigtem Merchandise-Artikeln sitzen. Auch die Umsatzeinbußen werden manchen Ausstellern richtig weh tun.

Auszug aus der Email der LBM

Der Ärger: Das gebuchte Hotel

Bei einer Online-Buchung gibt es Hotels die mittlerweile eine Stornierung bis eine Woche vor Anreise anbieten. Nur leider ist das eher die Ausnahme. Meist muss man mindestens einen Monat vor Anreise Stornieren um den vollen Kaufpreis erstattet zu bekommen. Manchmal bekommt man noch eine Teilerstattung.
Da mein Freund ich und das Appartment für die Leipziger Buchmesse relativ spät gebucht haben (also erst vor 5 Monaten), ist eine kostenlose Stornierung nicht mehr möglich.
Ich habe gehofft, der Vermieter versteht das Problem mit der Absage der LBM und kommt uns kulanterweise entgegen.

Tja – leider war das nicht der Fall. Er selbst musste erst vor kurzem seinen Skiurlaub in Italien absagen und ist auf den Kosten sitzen geblieben. Daher ist es ja nur verständlich, wenn hier selbes Recht für alle gilt. Oder?
Ich kann den Vermieter verstehen. So kurzfristig ist gerade in Corona-Zeiten das Appartment nicht mehr vermietbar. Ich glaub ich würde auch nicht auf die Einnahmen verzichten wollen.
Folge ist ein Kurztrip von Freitag bis Montag nach Leipzig mit fast 500 Kilometer Anreiseweg. Was wir dann in Leipzig machen? Naja das ist nicht so leicht zu beantworten… kommen wir also zum nächsten Punkt.

Das Dilemma: Ersatzveranstaltungen

Mein Freund und ich fahren also nach Leipzig. Hin und Zurück schlappe 1000 Kilometer. Es wird wahrscheinlich ein schöner, wenn auch ungewollter Kurztrip.
Hätten wir die Möglichkeit gehabt das Hotel zu stornieren, wären wir nach der Absage vermutlich nicht nach Leipzig gefahren.
Wir haben unser Appartment so ausgesucht, dass wir möglichst gut mit dem Auto zur Messe pendeln können, da alle Hotels mit guter Nahverkehrsanbindung an die Messe bereits vergeben waren.
– Notiz an mich selbst: Nächstes mal mindestens 9 Monate im Voraus buchen. –

Die Frage ist nun, was tun wir denn in Leipzig so ganz ohne Buchmesse?

Für uns wird es das erste mal Leipzig und es wäre auch das erste mal LBM gewesen.

Schon wenige Stunden nach Absage der LBM haben einige Leute nach einer Alternative gesucht. Da es bisher noch nichts festes gab, habe ich mich dazu erdreistet selbst auch Leute zu suchen, die vielleicht Lust auf eine Alternative hätten.
Ich hatte die Idee eines kleinen Cosplaywalks. 4-6 Cosplayer und 3-5 Fotografen. Vielleicht in einem Park? Ich kenn mich ja leider nicht aus. Ich habe auch realtiv schnell Gleichgesinnte gefunden. Verständlich.

Man hat sich schließlich mehrere Monate darauf eingestellt mit einem Cosplay nach Leipzig zu fahren, warum die Zeit dann nicht sinnvoll Nutzen? Aber oftmals wird aus einer kleiner Veranstaltung dann eine große Veranstaltung und plötzlich hat man einen ganzen Menschenauflauf.
Ist es also doch eher eine Schnappsidee?

Quelle: Freepik.com

Die Messe wurde abgesagt um zu verhindern, dass viele Menschen an einem Ort versammeln, sich vielleicht infizieren und dann wieder zurück in Ihre Heimat fahren und der Virus sich so weiter ausbreitet. Klar soweit?
Nun kommen die Cosplayer und organisieren privat eine Ansammlung von Menschen bei der genau das passieren kann. Ich verstehe die Argumentation. Deshalb wollte ich was kleines organisieren… nun bin ich aber natürlich nicht die einzige die auf so eine Idee kommt.
zfox.cos und weitere Cosplayer haben zuerst ein Treffen für alle Cosplayer am Leipziger Hauptbahnhof geplant.
Dies wurde sogar von der Bild online bekanntgegeben [LINK].

Der Leipziger Hauptbahnhof hat daraufhin sogar auf Social Media darum gebeten, dies nicht zu tun. Danach sollte das Treffen als Ersatz für die LBM im Clara Zetkinpark stattfinden. Ob es nun stattfindet oder nicht ist nach meinem Wissenstand komplett offen.
Sie wollten – soweit ich weiß – auch eine Genehmigung dafür einholen… ob das bei den Behörden so schnell und einfach möglich ist, steht auch noch in den Sternen.

Allerdings lässt sich sagen, dass sich in diesem Park die Menge der Leute auf jeden Fall besser verteilen ließe, als an einem Bahnhof.

Quelle: Twitter der Stadt Leipzig

Manche Leute sehen dieses Treffen als Demonstation der Cosplayer an. Andere sagen, dies wäre illegal und könnte von der Polizei aufgelöst werden. Es gibt Beschwerden darüber wie sich Cosplayer in der Öffentlichkeit verhalten und das ganze den Ruf der Szene kaputt macht. Ich will gar nicht wissen wie viel Gegenwind man für so eine Aktion bekommen kann.

Finde ich das ganze nun Problematisch? Um ehrlich zu sein: Nein.
Solange das Treffen eine gewisse Größe nicht überschreitet, sollte das ganze kein Problem sein. Vermutlich liegt die kritische Grenze irgendwo bei 200 Leuten. Das Risiko mit Corona in Kontakt zu kommen dürfte bei dem Treffen genau so groß wie überall sonst. Wenn ich mich ins Kino setze oder in die S-Bahn, werde ich vermutlich genau so viel Kontakt mit Leuten haben wie dort. Das Hauptproblem ist daher eher eine Übersicht zu bekommen, wie viele Menschen dort sein werden. Vermutlich ist alles Zwischen 0 und 500 möglich.
Ich selbst habe mich aus dem Cosplaywalk an dem ich eigentlich teilnehmen wollte, aus Zeitgründen ausgeklinkt.

Die usprüngliche Location im Park wurde auch auf eine andere verschoben – wir waren aber insgesamt nur um die 14 Personen.
Außerdem ist das ganze auch Wetterabhängig. Wenn es regnet glaube ich nicht, dass irgendein Treffen stattfinden wird.

Was mich aber nervt:

Wie ich oben schon geschrieben habe, finde ich dieses ganze Dilemma einer Ersatzveranstaltung unproblematisch. Aber es nervt mich total, dass die Cosplay-Community es wieder nicht gebacken bekommt einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Da kommen irgendwelche Heinis daher und denken sagen zu müssen: „Ist gut dass die LBM abgesagt wurde“, aber sowieso nicht vor hatten zur LBM zu gehen.
Scheinbar haben diese Leute kein Verständnis, wenn man als Cosplayer oder auch normaler Besucher enttäuscht wegen der Absage ist. Denn in Ihren Augen war es ja von vornherein klar, dass die Messe nicht stattfinden wird. Falls jemand von denen das hier liest: Ich würde dir deine Kristallkugel gerne abkaufen. 😉
Auch kommt oft der gut gemeinte Rat: Dann geh in Leipzig doch feiern oder mach XY.
Denen möchte ich nur sagen: Danke für deinen tollen Tipp… da wäre ich vermutlich selbst nie drauf gekommen. Wenn du gerne in Leipzig feiern gehen möchtest, kann ich dir ein Hotel außerhalb der Stadt für einen günstigen Messepreis anbieten, obwohl gar keine Messe ist – schreib mir doch einfach.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob es mich nervt, mir egal sein sollte, oder ich das schon gewohnt bin. Cosplayer die wegen jedem Fliegenpups ein Fass aufmachen.
Ist es nicht toll, dass ein (oder mehrere) Cosplayer versuchen eine Ersatzveranstaltung zu planen? Sollte man nicht froh sein, dass jemand versucht innerhalb einer Woche ein kleines Cosplayertreffen zu „organisieren“?
Diese Cosplayer werden dann von anderen Cospalyern oder fremden Leuten einfach runter gemacht. Oft sind das wie oben auch, Leute die davon gar nicht direkt betroffen sind. Warum denken Menschen, sie müssten jede Idee und Motivation einer anderen Person im Keim ersticken? Gerade andere Cosplayer sollten doch versuchen das ganze zu unterstützen. Konstruktive Kritik oder z.B. Infos über die rechtliche Situation sind ja in Ordnung, aber Kommentare wie „Dumme Idee“ oder „Du hast wohl nicht verstanden warum die Messe abgesagt wurde“ sind komplett unnütz (insofern man keine 2000 Personen Veranstaltung geplant hat).

Wozu konstruktive Kritik üben, wenn man doch einfach bei dem im Internet so gerne geschehendem Gummihammer-Phrasengedräsche-Hasstiraden-Spaß mitmachen kann.

Es wäre schön wenn die Community auch bei solchen Problemen versucht besser zusammenzuhalten und wegen einer abgesagten Convention nicht gleich komplett den Verstand verliert!

Ein Ausblick in die Zukunft

Nun… der Coronavirus wird uns alle vermutlich nicht so bald verlassen. Was bedeuted das für die anstehenden Conventions? In der Schweiz werden schon alle Veranstaltungen mit über 1000 Personen abgesagt. So etwas könnte uns auch drohen. Ein Impfstoff wird es laut Medien aller frühestens in 6 Monaten geben, vermutlich aber eher in einem Jahr.
Daher muss man Momentan davon ausgehen, dass auch die kommenden Veranstaltungen, wie die Animuc und die Dokomi abgesagt werden. Vielleicht beruhigt sich die Lage bis dorthin aber auch wieder.

Offizielle Meldung der Dokomi vom 06.03.2020

Ich drücke uns allen aber auf jeden Fall die Daumen, dass der Coronavirus nicht unser ganzes Conventionjahr kaputt macht.
Zudem es eigentlich die ideale Situation wäre zu beweisen, dass die Cosplay-Community etwas reifer und vernünftiger geworden ist. Also: nehmt euch ein Snickers!

Denn wie heißt es so schön: Nach der Con – ist vor der Con!

EvelynCosplay

Cosplayerin aus dem schönen Süddeutschland. Betreibt Cosplay seit 2015 und den Cosplay Blog seit 2019.

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