Cosplay, Streaming, Patreon und Co. – Steuern und mehr! 1/5

Cosplay, Streaming, Patreon und Co. – Steuern und mehr! 1/5

Muss ich das versteuern?

Du bist auf Patreon und/oder Twitch aktiv und verdienst so ein paar Euro zusätzlich?

Glückwunsch, du hast dich in die Selbständigkeit gewagt und wirst vermutlich in nur ein paar Tagen zum Millionär werden.
Wenn da doch nur nicht die Steuer wäre, die dir direkt 50% von deinem Einkommen klaut … so klingt das zumindest oft wenn Leute sich über das Finanzamt aufregen.

Wenn ihr diesen Blogbeitrag lest, gehe ich davon aus, dass der ein oder andere von euch vielleicht auch sein Hobby zum Beruf machen will oder sich zumindest ein bisschen was dazu verdienen. Es gibt viele Möglichkeiten mit Cosplay Geld zu verdienen. Von Patreon, bis hin zur eigenen Prop-making-Werkstatt.

 

Aber ganz so einfach ist es dann meistens ja doch nicht. Es gibt einiges zu beachten. Steuern, Buchführung und die Anmeldung eines Gewerbes.

In dieser Reihe meines Blogs will ich euch einen kleinen Überblick geben was zu beachten ist und wo vielleicht die ein oder andere Falle versteckt ist.

Ich gebe dabei nur mein Wissen weiter. Jeder Fall kann unterschiedlich sein und das Finanzamt hat das letzte Wort. Ich bin keine Steuerberaterin und kann euch deshalb auch nicht beraten. Die Beiträge sollen eine Hilfestellung sein, damit man sich besser in dem Steuerwirrwarr zurecht findet.

Dieser erste Beitrag beschäftigt sich mit der Frage: „Muss ich das versteuern?“

Und um das schon mal vorab zu nehmen – Wenn ihr euch diese Frage stellt, dann ist die Antwort fast immer „JA!“

Grundsätzlich ist alles was du verdienst steuerpflichtig und damit dem Finanzamt zu melden. Egal ob es nun ein Angestelltenverhältnis, ein Gewerbe, ein Freiberufliche Tätigkeit oder eben nur ein kleiner Nebenverdienst ist. Das Finanzamt hält ja bekannterweise immer gerne die Hand auf.

Ob du dann auch Steuern zahlen musst, hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Es gibt eventuell Freibeträge oder
Verdienstgrenzen die dich von der Steuer befreien. Mit dieser Frage beschäftige ich mich später in der Reihe.

Wenn ihr Patreon betreiben wollt oder einfach nur YouTube Videos zu dem Thema machen wollt, macht ihr euch ja selbständig und betreibt eventuell sogar ein Gewerbe.

Es gibt für die gewerbliche und auch die selbständige Tätigkeit bei der Steuer ein paar Punkte an denen man fest machen kann, dass man gewerblich/selbständig tätig ist:

→ H 15.6. EstH

  • die Tätigkeit muss selbstständig ausgeführt werden (eigenverantwortliches Handeln, keine Weisungsgebundenheit)
  • die Tätigkeit muss nachhaltig  (dauerhaftund langfristig ausgerichtet) sein
  • Gewinnerzielungsabsicht: Es wird beabsichtigt einen Gewinn zu erzielen.
  • Teilnahme am Wirtschaftsverkehr (z.B. Lieferung von Waren und Handel)

Ich übertage das ganze mal auf das Beispiel Patreon, dann wird das etwas klarer.

Bei Patreon veröffentlicht ein Künstler seine Werke und hat 5 Patronen die ihm je 5 Dollar spenden.
Er arbeitet also selbständig und eigenverantwortlich.

Schon allein durch die Erstellung des Profils bei Patreon zeigt der Künstler, dass er am Wirtschaftsverkehr teilnehmen möchte. Die „Spender“ bekommen für ihr Geld eine Gegenleistung – sie dürfen Exklusive Beiträge auf Patreon sehen. Die Seite wird auch nicht nach einem Monat wieder stillgelegt, also ist die Tätigkeit auf Dauer angelegt.
Nun gibt es noch die Frage der Gewinnerzielungsabsicht. Dieser Punkt ist aber sehr kompliziert und es gibt ein paar Besonderheiten zu beachten. Diese Besonderheiten und die sogenannte Liebhaberei werde ich in einem der nächsten Blogbeiträge behandeln.

Aber ganz ehrlich: Machst du eine Patreon Seite auf um damit Geld zu verdienen? Vermutlich schon… wenn du nämlich kein Geld verdienen willst, dann reicht auch deine Facebook oder Instagram Seite aus.

Fazit: Die Einnahmen sind beim Künstler in der Steuererklärung zu erfassen.

Das ganze lässt sich auf alle anderen Platformen übertragen. Wenn ich mit Youtube Geld verdiene, weil ich Werbung schalte oder Affiliate-Links nutze. Bei Twitch hat man einen Donationbutton oder ein paar Subscriber.

Auch bei Ko-Fi spende ich ja nicht irgendjemanden Geld. Es gibt ja einen Grund für das Spenden. Sei es
ein Bild, eine Datei oder eine Seite, wofür man das Geld spenden möchte.

Jetzt sind oben viele Begrifflichkeiten an denen man sich vielleicht Aufhängen kann. Deshalb gehe ich auf
ein paar Begrifflichkeiten noch genauer ein.

„Die Leute zahlen mir doch nur Spenden!“

Der ein oder andere verstrickt sich garantiert an dem Wort „Spenden“ auf. Wie man das aber bezeichnet ist egal, denn beim Künstler sind es Einnahmen und keine Spenden! Spenden gibt es nur bei gemeinnützigen Vereinen, Kirchen oder Parteien. Wenn du also nicht gerade Jesus cosplayst (Kappa), dann erhältst du keine Spenden sondern Einnahmen.

„Ich verdiene doch Nichts damit“

Manch einer folgt dem Trugschluss, dass er seine Einkünfte nicht dem Finanzamt erklären muss, denn er macht
ja nach Abzug seine Ausgaben gar keinen Gewinn. Andere verlangen vielleicht nur den Materialpreis und kommen deshalb auf plus minus 0,-.
Überraschung – Du musst das ganze trotzdem deinem Finanzamt melden. Warum? Weil du wohl selbständig Tätig bist. Einer der nächsten Beiträge wird sich mit den angefallenen Verlusten beschäftigen. Wenn du aber auf der sicheren Seite sein möchtest
dann Bespreche das ganze mit deinem Finanzamt.

„Ich mach das nicht regelmäßig“

Einer der Voraussetzungen ist, dass die Tätigkeit auf Dauer angelegt ist. Dadurch soll verhindert werden, dass jemand der nur ein mal etwas macht direkt selbständig tätig ist. Eine der Beispiele wo das zutrifft ist zum Beispiel der Verkauf von einem oder mehreren gebrauchten Cosplays, die schon länger im Schrank hängen. Hier nimmst du zwar am Wirtschaftsverkehr teil, aber
du willst ja nicht dauerhaft ein Gewerbe daraus machen. Bei fast allen der oben genannten Themen trifft dies jedoch nicht zu. Twitch, Patreon, Youtube. Fast immer sind diese Plattformen darauf ausgelegt dauerhaft betrieben zu werden. Allein schon deshalb, weil auf eben jeden Plattformen der Erfolg steigt, je länger und regelmäßiger man diese Plattformen nutzt.

Ab wann ist also etwas dauerhaft? z.B. der Verkauf von selbsterstellten Props?:
Vermutlich ab dem 3. Verkauf kann man von dauerhaft sprechen und nicht einem einmaligen Geschäft. Aber das ist nur meine Meinung. Frag doch einfach dein zuständiges Finanzamt.

Das war jetzt erst mal das grundsätzlich Ob ihr das ganze versteuern müsst.
Habt ihr Probleme oder Fragen mit euren Steuern hilft euch euer örtliches Finanzamt weiter. Ob ihr dann wirklich Steuern auf eure Nebentätigkeit zahlen müsst, welche Freibeträge es gibt und ob ihr gewerblich oder selbständig seid, dass werde ich in meinen nächsten Beiträgen klären. Ihr könnt auch gerne eure Fragen und Anmerkungen in die Kommentare schreiben. Und zum Schluss noch ein Disclaimer, damit niemand auf die Idee kommt, dass ich hier das Steuerrecht in vollem Umfang erläutere.

Grundsätzlich kannst du dir bei sogenannten Lohnsteuerhilfevereinen und natürlich beim Steuerberater Hilfe holen. Das würde ich euch auch empfehlen sobald ihr mit dem Gedanken spielt das ganze Hauptberuflich zu machen. Solange ihr es Nebenberuflich macht, würde ich euch empfehlen erst mal Kontakt mit dem Finanzamt aufzunehmen. Um so besser ihr dort euren Fall schildert um so besser sind meist die Antworten. Das hängt aber natürlich vom zuständigem Bearbeiter ab.

 

DISCLAIMER:

Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Verfasser, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich im weitesten zulässigen Rahmen ausgeschlossen. Dieser Text stellt in keiner Art und Weise eine professionelle Steuerberatung dar und ersetzt diese auch nicht.

EvelynCosplay

Junge deutsche Cosplayerin aus dem schönen Süddeutschland. Betreibt Cosplay seit ca. 2015 und dein Cosplay Blog sowie Gaming Blog seit 2019.

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