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Story-Time: Die Tage nach der Lipödem Operation

Im ersten Teil zum einer Operation aufgrund des Lipödems habe ich mich auf die Operation selbst vorbereitet und ein wenig darüber aufgeklärt, was Lipödem eigentlich ist und was man dagegen unternehmen kann.
In diesem Teil jedoch zeige ich euch, wie es mir nach der OP ergangen ist und wie ich mit der ganzen Situation umgegangen bin.

Übersicht Themen

1. Der OP Tag

Am Tag der Operation sollte ich schon um 7.30 Uhr in der Geisenhoferklinik am Englischen Garten in München erscheinen. Damit ich nicht all zu früh aufstehen musste, hab ich die Nacht davor in einem AirBnB auf der anderen Seite des Gartens verbracht und mich um 7.00 Uhr frisch geduscht und nüchtern auf den Weg zur Klinik gemacht.

Englischer Garten München Morgens
Englischer Garten Frühmorgens

Dort angekommen, musste mich meinen vorher gemachten und negativen PCR Test vorzeigen, sowie die Untersuchungsergebnisse vom Hausarzt (siehe vorherigen Beitrag). Danach wurde ich in mein Krankenzimmer gebracht, wo ich auf den Beginn wartete.
Theoretisch sollte ich an dem Tag die 2. Person von insgesamt 3 im OP und gegen 10.30 an der Reihe sein – jedoch wartete ich bis 13.30 Uhr. Bis 2 Stunden vor der OP darf man auch nichts trinken, was bei mir – theoretisch 8.30 Uhr gewesen war. Um 11.40 Uhr habe ich dennoch einen Schluck Wasser getrunken, da ich es leider ohne Essen und nichts weiteres nicht mehr ausgehalten habe. Der Anästhesist war nicht begeistert, jedoch starteten wir dennoch gegen 13.30 Uhr.

Die Narkose selbst verlief scheinbar ohne Probleme, jedoch fror ich entsetzlich, als ich langsam aus der Narkose erwachte. Das müsste gegen 17.30 Uhr gewesen sein, genau weiß ich es leider nicht mehr.
Das frieren kam von den insgesamt 10 Litern Fett, die meinem Körper entzogen worden waren und ich bekam eine Heißluftdecke, die auf 43 Grad eingestellt war, um das unkontrollierbare Zittern in den Griff zu bekommen.
Meine Ärztin Fr. Dr. Lipp meinte, dass diese Reaktion durchaus normal sei, wenn bei sowieso schon „schlankeren“ Patienten abgesaugt wird.

Abends im Krankenhaus mit leichtem Abendessen

Das Narkosemittel selbst habe ich gut vertragen und auch während der OP musste ich mich nicht übergeben – was laut Anästhesie ein häufiger Fall sei.
Es dauerte noch einige Zeit bis ich wieder einigermaßen bei Bewusstsein war.

Als ich dann anschließend auf mein Zimmer verlegt wurde, kontaktierte ich als erstes meinen Mann, dass alles gut ausgegangen ist und wir später etwas telefonieren konnten.

Auf meinem Zimmer wagte ich dann schlussendlich einen Blick unter die Bettdecke: und da die Beine noch nicht geschwollen waren, konnte ich doch tatsächlich meine Knie sehen! Das war seit über 10 Jahren nicht mehr der Fall gewesen, da eine immer größer werdende Fettschürze über den Kniescheiben „hing“.

2. Das Wochenende nach der Operation

Die ersten Tage nach der OP waren die härtesten. Mein Kreislauf war vor der Operation schon immer recht niedrig (Anemie sei Dank) und das hat sich in den folgenden Tagen auch nicht gebessert.

Am Tag nach der OP holte mich mein Mann ab und brachte mich nach Hause. Der darauf folgende Tag hatte es in sich. Da das OP-Mieder, dass einem direkt nach der OP angezogen wird, während man noch im Operationssaal liegt, mit Wundflüssigkeit und Blut vollgesogen war, wollten mein Mann und ich mich kurz abduschen. Sobald jedoch der Druck des Mieders an der Hüfte weg war, kollabierte ich komplett und musste mich zudem auch noch mehrmals übergeben. Bis wir mich danach wieder ins Bett bugsiert hatten, waren ganze 3 Stunden vergangen und geduscht war ich immer noch nicht.

Das ganze Wochenende war mir speiübel und ich trank viel Wasser und einiges an Gemüsebrühe.

Direkt nach der OP sollte die Behandlung mit Antibiotika und Trombosenspritzen begonnen werden. Leider hatte das Antibiotika eine Nebenwirkung ausgelöst und ich musste dieses Absetzen und später sogar ein anderes – deutlich stärkeres – einnehmen.

3. Die Odysee einer Dusche

Da der erste Versuch zu duschen nicht geglückt war, versuchten wir es am Dienstag nach dem missglücktem Wochenende. Zum Glück hatten mich andere vorgewarnt und empfohlen einen Duschhocker für die Dusche zu besorgen, da Kreislaufzusammenbrüche keine Seltenheit nach solch einer OP darstellen. Wir beschlossen das Mieder auszuziehen um es zu waschen und – wie empfohlen – direkt danach in die Flachstrick zu wechseln.
Jedoch war auch dieser Versuch nicht gerade von Erfolg gekrönt. Mein Kreislauf war wieder total im Keller und zudem bekam ich vor lauter Panik noch einen Asthmaanfall, der sich gewaschen hatte. Einen solch schlimmen Anfall hatte ich seit über 10 Jahren nicht mehr gehabt und es hat ca. 30 Minuten gedauert, bis ich wieder einigermaßen richtig Luft bekam.
Zumindest war das Mieder ausgezogen und ich zwängte mich in die Flachstrickkompression und legte mich anschließend in ein frisch überzogenes Bett mit einem frischen Matrazenschoner.

Ein Lichtblick: 2 Tage nach diesem Versuch konnte ich endlich im Sitzen Duschen. Dafür nahm ich jedoch zuvor einige Korodin-Tropfen mit Cola und Traubenzucker ein, damit der Kreislauf nicht wieder komplett zusammenklappte. Das Mieder zogen wir mir dafür auch komplett aus und warfen es direkt in die Waschmaschine bei 60 Grad.

Eine Woche nach der Operation duschten wir mich nach dem selbem Prozedere. Die Haare habe ich gesondert gewaschen, da ich es nicht lange schaffte die Arme so lang nach oben zu halten.
Das war auch der Tag an dem ich es zum ersten Mal nach draußen schaffte und eine winzige Runde im Hof vor unserem Haus drehte. Um die austretende Flüssigkeit aufzufangen, legte ich dicke Binden in die Flachstrick ein, was ziemlich gut funktionierte.

Wenn ich die nächsten Operationen machen lasse, werde ich vor dem Duschen auf jeden Fall so vorgehen:

  • 30 Minuten vorher: Korodin Tropfen* (15 Stück oder etwas mehr) mit Cola
  • 10 Minuten vorher: Traubenzucker*
  • Asthma Notfallspray im Bad bereithalten
  • Eimer bereithalten
  • ggf. mit dem angezogenen Mieder selbst duschen, da die Mischung aus Blut und Wundflüssigkeit sehr unangenehm riecht und meine Übelkeit die Sensibilität gegenüber dem Geruch nochmals verstärkt

4. Der Schwellhöhepunkt

Ungefähr 9 Tage nach der Operation begannen meine sowieso schon geschwollenen Beine richtig dick zu werden. Zeitweise dicker als sie vor der OP waren. Dementsprechend begannen sie auch deutlich mehr weh zu tun. Jedoch half es deutlich sie sanft zu bewegen und immer wieder hochzulegen. In Verbindung mit Schmerzmittel war es zwar immer noch schmerzhaft aber aushaltbar, wenn man eine große Schmerztoleranzgrenze hat.

5. Bewegen ist das A und O

Nichts tut so gut wie kleinere Spaziergänge und Gänge innerhalb der Wohnung. Je länger die Gänge, desto angenehmer fühlen sich meine Beine an. Zwar bin ich immer noch etwas wackelig auf den Beinen, es wird jedoch Tag für Tag besser. Und die Bewegung regt den Lymphfluss an, was dazu führt, dass die Schwellungen besser zurück gehen. Außerdem können sich dadurch die Haut und die Nerven so besser regenerieren.

6. Wieder arbeiten?

Krankgeschrieben bin ich insgesamt 4 Wochen. Ob ich danach wieder „normal“ arbeiten gehen kann, kann ich noch nicht abschätzen, da wir uns erst am Anfang von Woche 3 befinden. Jedoch habe ich mit meinem Chef abgeklärt, dass ich nach der Krankenzeit einige Zeit im Homeoffice verbringen werde. So bin ich für meine Kollegen erreichbar und kann jedoch jederzeit nach Bedarf die Beine wieder hochlegen oder eine kurze Pause einlegen, falls ich es brauche. Für das Verständnis bin ich meinem Chef sehr dankbar und auch für die Möglichkeit im Homeoffice arbeiten zu können!

Hier findest du die Checkliste zur OP Vorbereitung und eine Liste mit den gängigsten Fragen an deinen Arzt, wenn du dich operieren lassen möchstest!

EvelynCosplay

Junge deutsche Cosplayerin aus dem schönen Süddeutschland. Betreibt Cosplay seit ca. 2015 und dein Cosplay Blog sowie Gaming Blog seit 2019.

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