Aufschieberitis – [Prokrastination]

Aufschieberitis – [Prokrastination]

Heute wird es schon fast medizinisch in meinem Blog. Es geht um die weit verbreitete Aufschieberitis. Hinter diesem doch eher lustig gemeintem Begriff, den man als Jugendlicher von seinen Eltern an den Kopf geworden bekommen hat, steckt aber eine tatsächliche krankhafte Störung die „Prokrastination“.

Viele von euch kennen das Problem vermutlich auch. Das Cosplay soll zur nächsten Convention fertig werden. Die Con ist aber erst in ein paar Monaten. Man hat also noch eine Menge Zeit. Ich fange also an und haben einen richtigen Motivationsschub. Doch dann kommt das ganze ins Stocken. Man stellt Aufgaben plötzlich hinten an. Es gibt plötzlich ganz viele verlockende Ablenkungsmöglichkeiten. Ich schaue einen Anime, zocke eine Runde und fange vielleicht ein weiteres Cosplay an. So kommt es wie es kommen muss. Noch eine Woche zur Convention und nur die Hälfte ist erledigt. Das ganze artet amSchluss in Stress und Verzweiflung aus.Ich kann dich zwar nicht von deiner Aufschieberitis befreien, aber ich kann dir die Gründe dafür nennen und ein paar Tipps zur Bewältigung geben.

Warum schiebe ich die Sachen vor mir her?

Jetzt wird es kurz mal medizinisch, aber ich verzichte auf Fachbegriffe ;).Der Grund für die Aufschieberitis liegt in unserem Gehirn. Unser Gehirn liebt Glücksgefühle. Und diese Glücksgefühle bekommen wir, wenn wir einen Erfolg erringen. Unser Gehirn und somit auch wir wollen oft dieses Gefühl erfahren. Deshalb sind wir auf den schnellen Erfolg aus. Bei langfristigen zeitfressenden Aufgaben bleibt dieser jedoch aus.

Zusätzlich verbindet unser Gehirn dabei den Erfolg auch noch mit einer Steigerung unseres Selbstwertgefühls. Mit Bildern auf Social Media erfährt man oft schnelle Erfolge und man wird regelrecht süchtig danach… das ganze bringe ich euch aber mal in einem anderen Blogbeitrag näher.

Bildquelle: Heilpraxisnet.de

Die meisten Gehirne können hinter langfristigen Aufgaben kein ausreichendes Potential fürErfolge und gute Gefühle erkennen und in der Folge schiebst du die Aufgaben vor dir her. Du bist also nicht alleine. Viele Leute haben bei langwierigen Aufgaben dieses Problem. Jeder schiebt mal etwas vor sich her. Dieses alltägliche Trödeln und vor sich herschieben von Aufgaben hat aber im Normalfall keine schlimmere Auswirkung. Bei der Prokrastination geht es eher um ein krankhaftes Verhaltensmuster. Die weiteren Ausführungen helfen aber auch dem Standard-Trödler ;

Die Prokrastination lässt sich dabei meist in zwei Gruppen von Betroffenen unterteilen. Der Erregungsaufschieber und der Vermeidungsaufschieber.

Der Erregungsaufschieber:

Dieser benötigt einen gewissen äußeren Druck, um tätig zu werden. Kommt diese nicht von einer außenstehenden Person, ist es meist der Zeitdruck, der schon fast zu spät als Motivation dient.

Der Vermeidungsaufschieber:

Dieser dagegen fürchtet sich davor zu Versagen. Man hat also Angst davor zu versagen und um das Gefühl zu vermeiden, schiebt man die Aufgabe so weit wie möglich auf.

Ich erkenne mich in beiden Typen wieder. Manchmal erachte ich ein Cosplay als zu schwer und schiebe es vor mir her. Ich fühle mich einfach noch nicht bereit dazu. Auf der anderen Seite gibt es meistens vor der Con noch mal etwas Stress, weil man mit dem letzten Schliff des Cosplays fertig werden muss.

Was für Folgen hat das ganze?

In den meisten Fällen sind die Folgen vermutlich relativ überschaubar. Wenn zur Con das Cosplay nicht fertig wird, dann ist das zwar ärgerlich, aber meist kein Weltuntergang. Jedoch kann das auf Dauer einige Probleme mit sich bringen. Wenn ihr Leistungsdruck und auch Zeitdruck habt folgen erst einmal Wut und Selbstzweifel. Man ist verärgert über das eigene Verhalten und hat das Gefühl versagt zu haben. Das ist nicht nur für euch selbst schlecht sondern kann auch in einer Beziehung zu einem echten Stresstest werden.

Wenn große Erfolgserlebnisse aufgrund der Prokrastination ausbleiben, dann kann das aber auch langfristig schlechte Auswirkungen auf euch haben. Es gibt immer nur kleinere Glücksmomente. Durch Stress verschlimmert sich alles. Die Leistung kann nicht wie gewünscht abgerufen werden. Im schlimmsten Fall kann es zu Depressionen oder Angstzuständen kommen. Durch den dauernden Stress kann es auch zu Erschöpfungsgefühlen kommen, bevor die eigentliche Arbeit überhaupt gemacht werden muss. So weit sollte es aber natürlich nicht kommen. Deshalb schauen wir direkt an, was man dagegen machen kann.

Allgemeine Hilfestellungen und Methoden für die Aufschieberitis

Die 25+5 Minuten Methode.

Dieses Modell beschreibt vereinfacht ein Intervallmodell. Man Arbeitet 25 Minuten und macht dann 5 Minuten pause. In den 25 Minuten konzentriert man sich nur auf die Arbeit und meidet jede Ablenkung. Das ganze macht man vier mal damit man auf 2 Stunden kommt. Danach macht man eine längere Pause um seine Energiereserven aufzufüllen.

Das ganze ist beim Cosplay herstellen jedoch etwas schwer anzuwenden. Ich denke am besten lässt sich das ganze umsetzen, indem man Aufgaben, wie z.B. das ausschneiden, kleben oder anmalen in einem Schwung macht. Wenn etwas trocknen muss, hat man zwischendurch eh Zeit eine Pause zu machen. Man muss dann aber auch früh genug mit seinen Arbeiten anfangen.

Die ALPEN-Methode

Aufschreiben
Länge
Puffer
Entscheiden
Nachkontrolle

Diese Methode finde ich persönlich sehr sinnvoll. Man schreibt zuerst auf was alles zu erledigen ist. Besonders beim Cosplay ist das eh sehr hilfreich, wenn man z.B. Material bestellen muss. Danach schreibt man auf wie viel Zeit die Teilaufgaben brauchen. Hier wird es schon etwas kniffliger. Deshalb ist es wichtig auch einen Puffer einzuplanen. Nun entscheidest du welche Priorität die einzelnen Aufgaben haben. Am Schluss machst du eine Nachkontrolle ob auch alles wie geplant funktioniert hat. Dadurch kannst du beim nächsten Mal noch genauer und besser arbeiten.

Ich finde Listen beim erstellen eines Cosplays auf jeden Fall sinnvoll und hilfreich. Jedoch ist eine Zeitangabe oder auch ein Puffer wirklich schwierig. Eine Priorität für einzelne Teile gibt es meist eh nicht, außer du machst eine Liste welche Cosplays du alle noch machen möchtest. Aber im privaten Bereich, kann so eine Vorgehensweise sicherlich hilfreich sein.

Die Eisenhower-Methode

Auch für unsere Mathe- und Diagramm-Freunde gibt es eine Möglichkeit. Man beschriftet die zwei Achsen mit Dringlichkeit und Wichtigkeit. Nun ordnest du deine Aufgaben anhand des Diagramms an. Besonders dringliche und wichtige Aufgaben werden zuerst erledigt. Die letzten Aufgaben fallen dann aus der To-Do-Liste raus und werden erst in die nächste Liste wieder aufgenommen.

Aber seien wir mal ehrlich. Wenn du Zeit hast ein Diagramm zu machen, sitzt du vermutlich zu viel an Excel und hast gar kein Zeitdruck.

Lass dich von der Auschieberitis nicht unter kriegen. Wappne dich rechtzeitig!

Prokrastination ist ein weit verbreitetes Problem, aber du kannst etwas dagegen tun. Es gibt viele Wege und Strategien die dir helfen deine zukünftigen Ziele zu erreichen.

Du darfst dich nur nicht von negativen Gefühlen und Stress leiten lassen. Es darf auch mal was schief gehen. Du solltest aber versuchen mit einer guten Organisation dich so gut wie Möglich gegen die Aufschieberitis zu wappnen. Dabei ist es wichtig, dass du deinen ganz eigenen Weg findest mit den Problemen umzugehen. Das hilft dir nicht nur beim Cosplay sondern bei allen Lebensaufgaben die noch kommen. Wenn du Unterstützung brauchst dann such dir Freunde, andere Cosplayer oder eine ganze Community. Oft hilft es mit anderen über ein Projekt oder sein Hobby zu reden, damit man plötzlich wieder Lust hat weiter zu machen. Von deinem Cosplaypartner bekommst du positiven Druck und die Motivation von außen, die dir bei der Umsetzung deiner Aufgaben helfen.

Besuche eine Convention oder schau dir an, was andere Cosplayer machen, vielleicht hilft dir das auch schon neue Motivation zu finden und so die Aufschieberitis zu besiegen. Hier habe ich auch schon einen Blogbeitrag zur Motivation imCosplay geschrieben:

Meine Vorgehensweise

Zum Schluss möchte ich euch noch meine persönlichen Tipps zur Hand geben die mir geholfen haben und dir vielleicht auch helfen können:

Schreibe dir eine Liste, in welcher du deine Wunschcosplays einträgst. Das hilft dir nicht nur einen Überblick über kommende Projekte zu behalten, sondern du kannst auch erledigte Cosplays abhacken. Versuche dir auch zu notieren, bis wann du ein Cosplay gemacht haben möchtest, dann kannst du nacheinander die Liste abarbeiten. Aber Vorsicht: Wenn deine Liste zu lang wird, werden die Fristen vielleicht immer kürzer. Setze dir Ziele die auch erreichbar sind und dich nicht direkt von Anfang an in Stress versetzen.

Ich schlage jetzt nicht noch eine Liste vor… oder doch: Die Planung ist die halbe miete. Überlege bevor du Anfängst welche Materialien du brauchst und welche Teilaufgaben du zu erledigen hast. Aber Vorsicht: Verplane dich nicht. Mache deine Planungsphase so ausführlich wie nötig aber so kurz wie Möglich. Du willst an einem Cosplay arbeiten und nicht die neue Planungsweltmeisterin werden.

Nutze Motivationsschübe so gut wie möglich. Wenn du wegen eines Videos, eines Animes oder einem anderen Cosplayer plötzlich ein Motivationsschub hast, dann nutze diesen aus. Ich leide manchmal selbst an Motivationslosigkeit und bin um jeden Motivationsschub dankbar.Aber Vorsicht: Überarbeite dich nicht. Mache trotzdem regelmäßig Pausen und achte auf deine Sicherheit.

Mach deine Cosplays fertig. Ich hatte es auch öfters schon, dass neue Projekte einfach reizvoller waren, als das Cosplay, an welchem man schon Wochen oder Monate arbeitet. Das Cosplay verschwindet beim Aufräumen in den Schrank und erst ein Monat später macht man wieder weiter. Nur noch Kleinigkeiten oder Detailsfehlen, aber man macht trotzdem lieber was Neues. Du wirst dieses Cosplay aber immer wieder im Hinterkopf haben oder spätestens wenn du den Schrank auf machst dich ein bisschen schlecht fühlen. Mache deine Cosplays also wirklich fertig, auch wenn du es nur ein mal trägst und dann verkaufst. So hast du zumindest nicht das Gefühl, dass die Arbeit umsonst war.

Akzeptiere wenn du gegen die Aufschieberitis verloren hast. Manchmal klappt es einfach nicht und der Zeitplan geht nicht auf. Du könntest jetzt in Stress verfallen und unter Schweiß und Tränen das Cosplay vielleicht bis zur Convention fertig machen. Du kannst es aber auch einfach akzeptieren und ein altes Cosplay auf der Convention tragen. Das ist nicht schlimm. Aber wie oben geschrieben, solltest du das geplante Cosplay trotzdem irgendwann fertig machen.Aber Vorsicht: Lasse das nicht zur Gewohnheit werden. Du sollst positiven Druck und positiven Stress nutzen. Aber du sollst auch nicht übertreiben.6.Such dir Hilfe wenn du Hilfe brauchst. Wenn du merkst du kommst nicht vorran und es du kannst nichts mehr gegen deine fehlende Motivation und Aufschieberei machen, dann such dir Hilfe. Ich glaube gerade im Cosplay Bereich sind Depressionen oder ähnliches eine verbreitete Krankheit. Es ist nicht schlimm sich Unterstützung oder Hilfe zu suchen.

Ich denke jeder hat sich in dem ein oder anderen Punkt in dem Beitrag wiedergefunden. Jeder hat hier und dort mal Probleme mit der Motivation und schiebtSachen vor sich her. Aber ich denke mit dem ein oder anderen Tipp kann man gegen die Aufschieberitis ankommen und wird pünktlich zur Convention mit seinem Cosplay fertig.Hattest du auch schon Probleme mit dem aufschieben von Aufgaben und hast du vielleichtden ein oder anderen Tipp für die Leser des Blogs? Dann lass mir doch einfach einen Kommentar da 🙂

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EvelynCosplay

Junge deutsche Cosplayerin aus dem schönen Süddeutschland. Betreibt Cosplay seit ca. 2015 und dein Cosplay Blog sowie Gaming Blog seit 2019.

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